Studie

Wie nutzen Erzieherinnen und Erzieher digitale Geräte in Kitas?

Thema

Digitale Kompetenzen von Erzieherinnen und Erziehern

Herausgeberschaft

Stiftung Haus der kleinen Forscher

Erscheinungsort

Berlin

Erscheinungsjahr

2017

Stiftungsengagement

Stiftung Haus der kleinen Forscher, Siemens Stiftung, Dietmar Hopp Stiftung, Deutsche Telekom Stiftung

Literaturangabe

Wie nutzen Erzieherinnen und Erzieher digitale Geräte in Kitas? – Eine
repräsentative Telefonumfrage. Hrsg. v. Stiftung Haus der kleinen Forscher. Berlin 2017.

Ziel, Fragestellung, Vorgehensweise

Ausgangspunkt der Studie ist, dass über den Einsatz digitaler Geräte in der frühkindlichen Bildung bisher wenig bekannt ist. Um über diese Frage Erkenntnisse zu gewinnen, hat die Stiftung "Haus der Kleinen Forscher" die Gesellschaft für empirische Sozialforschung und Evaluation uzbonn beauftragt, pädagogische Fach- und Leitungskräfte zu diesem Thema zu befragen. Ziel war es, die Nutzung von Online-Weiterbildungsangeboten, die technische Ausstattung der Kindertageseinrichtungen sowie die Einstellungen von Erzieherinnen und Erziehern zum Einsatz digitaler Geräte in der pädagogischen Praxis zu erheben.

Die Telefonbefragung wurde zwischen Juli und September 2017 durchgeführt. Es haben 709 pädagogische Fach- und Leitungskräfte (381 Fachkräfte und 328 Leitungskräfte) aus allen Bundesländern daran teilgenommen. Die Auswahl erfolgte nach dem Zufallsprinzip, doch können die Ergebnisse der Umfrage als repräsentativ gelten: Der Datensatz wurde nach Alter und Bildungsabschluss der Fachkräfte sowie dem Bundesland der Kita gewichtet. Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ hat den Fragebogen entwickelt, die Daten ausgewertet und die Ergebnisse aufbereitet. Gefördert wurde die Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Partner waren die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Deutsche Telekom Stiftung.

Wichtige Ergebnisse

1. Technische Infrastruktur in den Kitas

In beinahe allen Kitas (99 Prozent) steht den Erzieherinnen und Erzieher mindestens ein digitales Gerät (Computer, Digitalkamera etc.) zur Verfügung. In den meisten Kitas (92 Prozent) gibt es eine Digitalkamera, gefolgt von PC und Laptop (jeweils 82 Prozent). In mehr als einem Drittel der Kitas können Erzieherinnen und Erzieher im Durchschnitt sogar vier verschiedene Gerätearten nutzen.

In beinahe drei Viertel der Kitas können Kinder gemeinsam mit den Erzieherinnen und Erziehern ein Gerät nutzen. Das bedeutet allerdings auch, dass in knapp 30 Prozent der Kitas für Kinder kein Gerät zur Verfügung steht. Das häufigste Gerät ist die Digitalkamera (Anteil der Kitas 53 Prozent), gefolgt von Laptop (31 Prozent) und PC (24 Prozent). In den meisten Fällen verfügen die Kitas nur über eine einzige Geräteart für Kinder.

Immerhin 42 Prozent der pädagogischen Fach- und Leitungskräfte sagen, dass sie nicht (16 Prozent) oder eher nicht (25,9 Prozent) mit der technischen Ausstattung mit digitalen Geräten in ihrer Kita zufrieden sind.

2. Einstellungen und Nutzungsverhalten pädagogischer Fachkräfte beim Umgang mit digitalen Geräten in Kitas

75,2 Prozent der Fachkräfte sind der Ansicht, dass Kinder in der Kita die Möglichkeit erhalten sollten, einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Geräten gemeinsam mit den Erzieherinnen und Erziehern zu erlernen.

Allerdings begleitet ein großer Teil der Fachkräfte (47,9 Prozent) Kinder nie bei der Nutzung von digitalen Geräten, und 36,3 Prozent ein- bis dreimal im Monat. Nur 1,6 Prozent sagen, sie begleiten die Kinder dabei täglich.

3. Medienkonzepte in Kitas

Nur in wenigen Kitas (19,3 Prozent) gibt es ein Medienkonzept, das den Einsatz von digitalen Medien und den Umgang mit digitalen Medien in der Einrichtung verbindlich festschreibt.

Es zeigt sich, dass ein Medienkonzept die Wahrscheinlichkeit des Internetzugangs für Kinder in der Kita signifikant erhöht: 80,8 Prozent der Kitas mit Medienkonzept bieten Internet für Kinder und Fachkräfte an kitaeigenen Geräten, aber nur 61 Prozent der Kitas ohne Medienkonzept.

In Kitas ohne Medienkonzept ist immerhin fast ein Fünftel (18,6 Prozent) der pädagogischen Fach- und Leitungskräfte mit der technischen Ausstattung mit digitalen Geräten in ihrer Kita unzufrieden, während das in Kitas mit Medienkonzept nur 6,6 Prozent der Befragten sagen.

Fachkräfte aus Kitas mit Medienkonzept begleiten Kinder auch signifikant häufiger bei der Nutzung von digitalen Geräten: 6,5 Prozent der Befragten begleiten sie täglich und 11,7 Prozent mehrmals pro Woche. In Kitas ohne Medienkonzept machen das deutlich weniger Fachkräfte (0,8 Prozent täglich und 5 Prozent mehrmals die Woche). In Kitas ohne Medienkonzept sagen sogar rund die Hälfte der Fachkräfte, sie würden die Kinder nie bei der Nutzung von digitalen Geräten begleiten (in Kitas mit Medienkonzept knapp 30 Prozent).

4. Interesse an Fortbildungen zu den Themen digitale Geräte, Mediendidaktik und informatische Bildung

Eine Fortbildung zum Thema Umgang mit digitalen Geräten und Internet haben 40,6 Prozent der Fachkräfte absolviert, deutlich weniger (29,3 Prozent) haben Fortbildungen zur Mediendidaktik (Mediennutzung in der pädagogischen Arbeit) besucht und nur sehr wenige (5,6 Prozent) haben sich in der Informatischen Bildung (Informatik für Kinder) weiterqualifiziert.

5. Online-Fortbildungen: Verbreitung unter pädagogischen Fachkräften in Deutschland

62,3 Prozent der Fachkräfte sagen, sie hätten nicht gewusst, dass es Online-Fortbildungen für den Bereich Bildung, Betreuung und Erziehung gibt.

98 Prozent haben noch nie an einer Online-Fortbildung teilgenommen. Als wichtigste Gründe dafür nennen die Fachkräfte, es fehle dabei der direkte Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen (25,5 Prozent der Befragten), sie sehen keine Vorteile von Online-Fortbildungen (19,9 Prozent) oder sie können die Qualität von Online-Fortbildungen schlechter einschätzen als von Präsenzfortbildungen (17,6 Prozent).